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Politisches System Russlands
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Das politische System Russlands ist staatsrechtlich vor allem in der Verfassung vom 12. Dezember 1993, im Föderationsvertrag vom 10. April 1992cite-ref-1[1] und Einzelgesetzen wie etwa zum Verfassungsgericht festgelegt.cite-ref-verfassung-2-0[2] Die politische RealitĂ€t jedoch weicht âvon den GrundsĂ€tzen der geschriebenen Verfassung deutlich abâcite-ref-3[3]. Das derzeitige System gilt als Wahlautokratie und laut Margareta Mommsen als âein autoritĂ€res System mit der Besonderheit förmlich fortbestehender demokratischer Einrichtungenâ, die demokratische VerhĂ€ltnisse lediglich vorspiegeln. Kritische Beobachter sprechen daher von einer simulierten Demokratiecite-ref-4[4], aufgrund der Ausrichtung des Systems auf den PrĂ€sidenten Wladimir Putin bei SchwĂ€chung anderer Institutionen auch von einem âpersonalistischen autoritĂ€ren Regimeâcite-ref-5[5]. Der Regierungssitz befindet sich im Moskauer Kreml. Aktuell leitet Michail Mischustin das Kabinett Mischustin II.
Contents
âą Staatsoberhaupt
âą Gewaltenteilung
âą Legislative
âą Exekutive
âą Judikative
âą Literatur
âą Weblinks
âą Einzelnachweise
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Verfassungstheoretische Einordnung und Verfassungswirklichkeit
Der Politikwissenschaftler Klaus von Beyme ordnet es als komplizierte parlamentarisch-prĂ€sidentielle Mischform ein. Es entspreche der semiprĂ€sidentiellen Form der parlamentarischen Regierungssysteme, enthalte aber auch Elemente des prĂ€sidentiellen Regierungssystems nach dem Muster der USA oder der FĂŒnften Französischen Republik.cite-ref-7[7]
Zwischen dem Anspruch der Verfassung und der realen Verfassungswirklichkeit âklaffen Weltenâ;cite-ref-quiring-8-0[8] weitere Charakterisierungen sind darum: patronaler PrĂ€sidentialismus,cite-ref-9[9] hegemonialer PrĂ€sidentialismus,cite-ref-10[10] Netzwerkstaat,cite-ref-11[11] Doppelstaat,cite-ref-12[12]cite-ref-13[13] Russisches System, Wahlmonarchie, Konstitutionelle Wahlautokratie, delegative, illiberale, elektorale, halbierte, manipulierte, steuerbare, gelenkte oder defekte Demokratie, systemloses System,cite-ref-14[14] hybrides System oder Regimecite-ref-15[15] oder System Putin (siehe Putinismus).cite-ref-16[16]
Die Politikwissenschaftlerin Margareta Mommsen stellt dar, dass auch die höchsten AmtstrĂ€ger nicht ĂŒber ein âklares VerfassungsverstĂ€ndnisâ verfĂŒgen. Der Umgang mit der Verfassung sei pragmatisch, der âpraktizierte Autoritarismusâ werde dabei als ein notwendiges Provisorium gerechtfertigt (âHerrschaft per Handsteuerungâ nach einer ĂuĂerung Wladimir Putins).cite-ref-17[17] Nach Petra Stykow passt keine der gĂ€ngigen Interpretationen und Kategorien der vergleichenden Regierungslehre zur russischen Verfassung, da der russische PrĂ€sident schon nach der Verfassung als Institution jenseits der drei Staatsgewalten konstruiert sei. Es handele sich nach William Partlett um eine âseparation of powers without checks and balancesâ.cite-ref-18[18]cite-ref-19[19] Die Duma und der Föderationsrat hĂ€tten sich bis 2009 in gehorsame Werkzeuge des Kremls verwandelt, so Alexander J. Motyl.cite-ref-20[20]
In der Selbstwahrnehmung einiger russischer Politiker und Wissenschaftler wurde das politische System teils kritisch, teils affirmativ auch als âsouverĂ€ne Demokratieâ bezeichnet, ein Ausdruck den Wladislaw Surkow 2006 wĂ€hrend der zweiten Amtszeit Putins geprĂ€gt haben soll.cite-ref-21[21] Der Ausdruck wurde schon 2005 affirmativ zur Charakterisierung des StaatsverstĂ€ndnisses Putins gebraucht.cite-ref-22[22]cite-ref-23[23]
Staatsoberhaupt
Das Staatsoberhaupt ist der PrĂ€sident Russlands, Wladimir Putin. Er wird in einer Volkswahl, das heiĂt direkt von der wahlberechtigten Bevölkerung, fĂŒr sechs Jahre gewĂ€hlt (bis zur Legislatur 2008â2012 fĂŒr vier Jahre). Alternative Kandidaten sind dabei de facto nicht zugelassen. UrsprĂŒnglich durfte der Posten des PrĂ€sidenten von ein und derselben Person nicht lĂ€nger als zwei Amtsperioden hintereinander besetzt werden. Nach einer Unterbrechung, in der sein enger Gefolgsmann Dmitri Medwedew zeitweise das Amt innehatte und mit unzureichender Machtbasis in den Institutionen vergeblich versucht hatte, eigene rechtsstaatliche Akzente zu setzen, Wladimir Putin als von Medwedjew ernannter MinisterprĂ€sident aber das eigentliche Machtzentrum blieb, durfte der vorherige PrĂ€sident Putin jedoch erneut kandidieren und ĂŒbt seine Macht seither wieder als PrĂ€sident aus.cite-ref-24[24] Seit einer von ihm veranlassten VerfassungsĂ€nderung im Jahr 2021 ist die Anzahl der erlaubten Amtsperioden eines PrĂ€sidenten nicht mehr begrenzt. Einen VizeprĂ€sidenten gab es in Russland von 1991 bis 1993, mit dem Inkrafttreten der Verfassung von 1993 wurde dieses Amt abgeschafft.
Die politische Macht ist konzentriert in den HĂ€nden von Wladimir Putin, der Kreml richtet Parteien, Gerichte, SicherheitskrĂ€fte und Medien dementsprechend aus.cite-ref-0-25-0[25] Er ist die zentrale Instanz des Systems, das zunehmend personalistisch und geradezu als âFĂŒhrerdiktaturâ erscheint.cite-ref-26[26]cite-ref-27[27]
Die entscheidenden SchlĂŒsselministerien und Behörden mitsamt ihrer Machtmittel sind dem PrĂ€sidenten direkt unterstellt, dazu zĂ€hlen die Nationalgarde, das Innenministerium, das Katastrophenschutzministerium, das AuĂenministerium; das Verteidigungsministerium, das Justizministerium, der Auslandsgeheimdienst SWR, der Inlandsgeheimdienst (FSB), der Föderale Schutzdienst (FSO), der Föderale Dienst fĂŒr Finanzaufsicht (Rosfinmonitoring) sowie die Russische PrĂ€sidialverwaltung.cite-ref-28[28]cite-ref-29[29]cite-ref-30[30] Ferner untersteht ihm die âwichtigste föderale Ermittlungsbehördeâ, das sogenannte Untersuchungskomitee (Sledstwennyj komitet), das Bundesbehörden ĂŒberprĂŒft und FĂ€lle von Machtmissbrauch und Korruption aufklĂ€rt.cite-ref-21-31-0[31] Die Russische PrĂ€sidialverwaltung koordiniert die MachtausĂŒbung des PrĂ€sidenten, ihr angeschlossen ist der Sicherheitsrat der Russischen Föderation.cite-ref-32[32]
Wahlen und Ăffentlichkeit
Zwar finden regelmĂ€Ăig auf verschiedenen Ebenen Wahlen statt, von denen die wichtigsten die PrĂ€sidentschaftswahlen und die Wahlen zur Duma sind. Jedoch ist der Wahlprozess nicht als frei zu bewerten, denn sowohl die Zulassung der Kandidaten, der Wahlkampf wie auch der AuszĂ€hlungsprozess werden im Interesse des gewĂŒnschten Ergebnisses beeinflusst und manipuliertcite-ref-0-25-1[25].
Die Ăffentlichkeit unterliegt staatlicher Aufsicht. Die Russische PrĂ€sidialverwaltung nimmt direkten Einfluss auf die Berichterstattung, sie gibt den Chefs der bedeutenden staatlichen und privaten TV-Sender bei einem Termin in BĂŒrorĂ€umen der Kreml-Verwaltung wöchentlich den Rahmen der gewĂŒnschten Berichterstattung vor. Ferner werden LeitfĂ€den mit Sprachregelungen und Argumentationslinien verfasst und den Sendern zugesandt. Unterhalb der Kreml-Administration findet ĂŒber den Föderalen Dienst fĂŒr die Aufsicht im Bereich der Informationstechnologie und Massenkommunikation (Roskomnadsor) Aufsicht wie Steuerung und Zensur sowohl der Medienlandschaft wie privater Kommunikation in elektronischen Medien, also dem Internet, statt. Roskomnadsor blockierte seit Februar 2022 fast alle unabhĂ€ngigen Medien, diese sind wie auch beispielsweise Facebook oder Instagram nur noch ĂŒber VPN zu erreichen. Die Duma verabschiedete im MĂ€rz 2022 ein Zensurgesetz, wonach bei Androhung hoher Haftstrafen nur noch gemÀà offizieller staatlicher Quellen berichtet werden darf.cite-ref-15-33-0[33]cite-ref-34[34]cite-ref-35[35]
Gewaltenteilung
Legislative
Die Legislative im russischen Regierungssystem wird durch die Föderationsversammlung ausgeĂŒbt. Diese besteht wiederum aus zwei Kammern: dem Föderationsrat als Oberhaus und der direkt gewĂ€hlten Staatsduma als Unterhaus.
Im Föderationsrat sind je zwei ReprÀsentanten eines jeden Föderationssubjektes vertreten, davon einer von der Exekutive und einer von der Legislative des Subjekts. Bis zu einer Gesetzesreform im Jahre 2000 reprÀsentierten die jeweiligen OberhÀupter der regionalen Exekutiven und Legislativen ihre Subjekte im Föderationsrat, seitdem wurden sie nach und nach durch speziell ernannte Vertreter abgelöst. Die Dauer der Amtszeit der ReprÀsentanten entspricht jeweils der Dauer der Legislaturperiode der von ihnen vertretenen Institutionen.
Die Duma setzt sich aus de facto regierungstreuen Abgeordneten zusammen, fĂŒr die bis zur Wahl 2003 und wieder seit der Wahl 2016cite-ref-36[36] ein Mischsystem aus VerhĂ€ltnis- und Mehrheitswahl (Grabenwahlsystem) gilt. Dazwischen galt ein VerhĂ€ltniswahlsystem. Die Legislaturperiode der Duma betrĂ€gt fĂŒnf Jahre. Sie hat die Funktion, Gesetze zu verabschieden, wobei ein jedes Gesetz nach dem Vorschlag durch die Duma vom Föderationsrat gebilligt und vom PrĂ€sidenten unterzeichnet werden muss. Hat der Föderationsrat Veto gegen die Verabschiedung eines Gesetzes eingelegt, kann die Duma dieses dennoch durchbringen, wenn sie es mit mindestens zwei Drittel der Abgeordnetenstimmen bestĂ€tigt. Ein Veto des PrĂ€sidenten kann nur mit einer wiederholten BestĂ€tigung des Gesetzes durch die jeweilige Zweidrittelmehrheit sowohl in der Duma als auch im Föderationsrat ĂŒberwunden werden.
Die dominierende Partei in der Duma ist Einiges Russland (ĐĐŽĐžĐœĐ°Ń Đ ĐŸŃŃĐžŃ, Jedinaja Rossija), die im Zusammenspiel mit weiteren den Kreml stĂŒtzenden Parteien agiert. Einiges Russland entstand 2001 aus den Parteien Einheit (ĐĐŽĐžĐœŃŃĐČĐŸ, Jedinstwo) und Vaterland â ganz Russland (ĐŃĐ”ŃĐ”ŃŃĐČĐŸ â ĐŃŃ Đ ĐŸŃŃĐžŃ, Otetschestwo â wsja Rossija), die sich wiederum zum Teil aus der untergegangenen Partei Unser Haus Russland (ĐĐ°Ń ĐŽĐŸĐŒ â Đ ĐŸŃŃĐžŃ, Nasch dom â Rossija) rekrutierten, der Partei von Putins VorgĂ€nger Boris Jelzin. Einiges Russland wurde gezielt und mit Aufwand von Regierungsseite als dominante Partei Russlands aufgebaut, mit ĂŒber zwei Millionen Mitgliedern hat sie eine solide Massenbasis. Jugendorganisation der Partei ist die sogenannte Molodaja Gwardija. Die PopularitĂ€t Putins und flĂ€chendeckend vorhandene klientelistische Netzwerke lokaler FĂŒhrungspersonen mit hoher Organisationskraft ermöglichten wiederholte Wahlsiege. Die Partei dient dazu, die das System stĂŒtzenden Eliten zu integrieren und Politiker in neue Ămter einzufĂŒhren.cite-ref-9-37-0[37] Sie verfĂŒgt (Wahl 2021) ĂŒber eine Drei-Viertel-Mehrheitcite-ref-38[38]. Putin selbst ist Einiges Russland nicht beigetreten, was nach EinschĂ€tzung des Politikwissenschaftlers Stefan Meister seine Abneigung gegen Parteien aufzeigt. Diese âdienen in erster Linie dazu, UnterstĂŒtzung zu mobilisieren und das existierende System zu legitimieren. Parteien in Russland sind entweder konstruiert, manipuliert oder befriedet.âcite-ref-39[39] Zum Parteienkartell des Kreml (âa four-party cartelâ) wird neben Einiges Russland die Kommunistische Partei der Russischen Föderation, die Liberal-Demokratische Partei Russlands und die sozialdemokratische Partei Gerechtes Russland gerechnet.cite-ref-40[40] Daneben gibt es noch auĂerhalb der Duma die Partei Jabloko, die Patrioten Russlands und Rechte Sache. Parteien wie Gerechtes Russland und Rechte Sache wurden ganz bewusst vom Kreml als Spoilerparteien aufgebaut, um das Elektorat konkurrierender Parteien der Opposition mit verwandten Themen anzusprechen und um diese so zu schwĂ€chen.cite-ref-9-37-1[37] Das Kartell der systemtreuen Parteien ermöglicht dem Kreml eine Kontrolle der Duma,cite-ref-10-41-0[41] â im âKartell der systemischen Oppositionâ gibt es laut der Politikwissenschaftlerin Petra Stykow nur geringe programmatische Unterschiede und keinen wirklichen ideologischen Wettbewerb um Inhalte, sondern nur den Wettbewerb âvon Gruppen, die die Macht haben wollenâ, was man ânicht mit einer Demokratie verwechselnâ dĂŒrfe.cite-ref-42[42] DarĂŒber hinaus dient das Parlament Elitengruppen als Entscheidungsort fĂŒr Fragen und Konflikte, die der Kreml als nicht so bedeutsam betrachtet, dass er selbst die Entscheidung vorgeben mĂŒsste, sowie der Einbeziehung von möglichen Oppositionellen durch Abgeordnetenprivilegien und der Möglichkeit, dass Putin initiierte Vorhaben, die als in der Bevölkerung zu unpopulĂ€r erkannt werden, durch sein Veto noch stoppen und sich in der Ăffentlichkeit entsprechend inszenieren kann.cite-ref-10-41-1[41]
Exekutive
Die exekutive Gewalt liegt bei der Regierung der Russischen Föderation, deren SchlĂŒsselressorts allerdings direkt dem PrĂ€sidenten untergeordnet sind.
Der MinisterprĂ€sident von Russland â auch als Premierminister oder als Vorsitzender der Regierung bezeichnet â ist Regierungschef. Er wird vom PrĂ€sidenten vorgeschlagen und muss von der Duma bestĂ€tigt werden. Lehnt die Duma einen Kandidaten auch nach drei Abstimmungen ab, oder spricht sie der Regierung ein Misstrauensvotum aus, kann der PrĂ€sident sie per Erlass auflösen und vorzeitige Neuwahlen anordnen.
Die Regierung besteht neben dem MinisterprÀsidenten aus dessen Stellvertretern, genannt Vize-MinisterprÀsident, sowie Ministern. Der Regierung untergeordnet ist das System der staatlichen Exekutive, das aus den Ministerien, föderalen Diensten und föderalen Agenturen besteht.
Judikative
Die oberen judikativen Institutionen sind in Russland das Verfassungsgericht sowie der Oberste Gerichtshof. Ihre Richter werden vom Föderationsrat auf Vorschlag des PrĂ€sidenten bestĂ€tigt. Dem Oberen Gerichtshof ist das russische System der ordentlichen Gerichtsbarkeit untergeordnet, dem Oberen Schiedsgericht das System der Schiedsgerichtsbarkeit. Die Verfassungsgerichte der Föderationssubjekte zĂ€hlen nicht zum föderalen Gerichtsbarkeitssystem. Ein Bestandteil der Judikative ist auch die Staatsanwaltschaft der Russischen Föderation, die nach der Verfassung UnabhĂ€ngigkeit von allen anderen Machtstrukturen haben sollte, de facto aber nicht besitzt. Ăber dem System der Staatsanwaltschaft steht die Generalstaatsanwaltschaft der Russischen Föderation. Ihr Vorsitzender, der Generalstaatsanwalt der Russischen Föderation, wird vom Föderationsrat auf Vorschlag des PrĂ€sidenten bestĂ€tigt.
Seit August 2013 wurde das oberste Handelsgericht mit dem obersten ordentlichen Gericht zusammengelegt, ihm damit faktisch untergeordnet. Damit wurde fĂŒr Rechtsgelehrte âdie verlĂ€sslichere SĂ€ule der russischen Justiz geschwĂ€chtâ.cite-ref-43[43]
Richter in Russland sind mehrheitlich Bundesrichter, ĂŒber ihre Ernennung entscheidet eine Kommission in einem komplexen Verfahren und unter Vorbehalt der Zustimmung des StaatsprĂ€sidenten. Die Kommission besteht âaus vier Vertretern der Richterschaft, sieben Leitern verschiedener Abteilungen der PrĂ€sidialverwaltung, dem stellvertretenden Innenminister, dem 1. stellvertretenden Direktor des Föderalen Sicherheitsdienstes (FSB) und dem Generalstaatsanwalt. Die Sitzungen dieser Kommission sind nicht öffentlich, die Entscheidungen mĂŒssen nicht begrĂŒndet werden, sie sind ferner endgĂŒltig und nicht anfechtbar. Die Richter der obersten Gerichte werden gĂ€nzlich ohne Beteiligung der Richterschaft hinter verschlossenen TĂŒren ausgewĂ€hlt.âcite-ref-26-44-0[44] Die Staatsanwaltschaft kann in ZivilfĂ€lle eingreifen und ein Urteil vorschlagen, die Exekutive kann auĂerdem die Staatsanwaltschaft anweisen Urteile nach eigenem Ermessen aufheben und neu aufrollen zu lassen.cite-ref-25-45-0[45]cite-ref-26-44-1[44]
Formaler Vergleich mit anderen Regierungssystemen
Vom klassischen prĂ€sidentiellen System (Beispiel: USA) unterscheidet sich das russische im Wesentlichen formal durch das Vorhandensein eines Premierministers als Regierungschef, der in Regierungsbildung und RegierungsausĂŒbung sowohl dem PrĂ€sidenten als auch dem Parlament untergeordnet ist.
Obwohl es wie im semiprĂ€sidentiellen System nebeneinander die Ămter des PrĂ€sidenten und des Premierministers gibt, unterscheidet sich die russische Variante doch vom klassischen semiprĂ€sidentiellen System (Beispiel: Frankreich) darin, dass die Legitimation und Kontrolle der Regierung durch das Parlament (Misstrauensvotum) insgesamt schwĂ€cher ist: Der PrĂ€sident hat nach der Verfassung stets die Möglichkeit, einen MinisterprĂ€sidenten auch abweichend vom Willen des Parlaments zu ernennen und bei Widerstreben auch das Parlament aufzulösen. Nach Artikel 83 der Verfassung ernennt der PrĂ€sident mit Zustimmung der Staatsduma den Vorsitzenden der Regierung der Russischen Föderation und entscheidet ĂŒber die Frage des RĂŒcktritts der Regierung. Nach Artikel 84 kann er die Staatsduma in den FĂ€llen und nach dem Verfahren auflösen, die in der Verfassung der Russischen Föderation vorgesehen sind. In Artikel 111 wird geregelt, dass der PrĂ€sident nach dreimaliger Ablehnung der von ihm vorgeschlagenen Kandidaturen fĂŒr das Amt des Vorsitzenden der Regierung der Russischen Föderation durch die Staatsduma den Vorsitzenden der Regierung der Russischen Föderation ernennen, die Staatsduma auflösen und Neuwahlen ansetzen kann. Nach Artikel 117 kann der PrĂ€sident der Russischen Föderation eine Entscheidung ĂŒber die Entlassung der Regierung der Russischen Föderation treffen. Die Regierung muss dann die AmtsgeschĂ€fte nach seinen Anweisungen weiterfĂŒhren, bis eine neue Regierung ernannt ist.cite-ref-46[46]
Literatur
âą Margareta Mommsen: Das politische System Russlands. In: Wolfgang Ismayr (Hrsg.): Die politischen Systeme Osteuropas. VS Verlag fĂŒr Sozialwissenschaften, 3. Auflage. Wiesbaden 2010, S. 465ff.
âą Angelika NuĂberger: Staats- und Verwaltungsrecht. In: Angelika NuĂberger (Hrsg.): EinfĂŒhrung in das russische Recht. C.H. Beck, MĂŒnchen 2010, ISBN 978-3-406-48391-2, S. 19ff.
âą Eberhard Schneider: Das politische System der Russischen Föderation. Eine EinfĂŒhrung. VS Verlag fĂŒr Sozialwissenschaften, 2. Auflage. Wiesbaden 2001.
Weblinks
âą http://www.constitution.ru/de/ â Verfassungstext auf Deutsch
âą Bundeszentrale fĂŒr politische Bildung: Dossier Russland â Politisches System
Einzelnachweise
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cite-note-33. â Margareta Mommsen: Verfassungsordnung versus politische RealitĂ€t | Dossier Russland. Bundeszentrale fĂŒr politische Bildung, 26. MĂ€rz 2018, abgerufen am 25. April 2024.
cite-note-44. â Margareta Mommsen: Politisches System: Einleitung. In: bpb.de. Bundeszentrale fĂŒr politische Bildung, 26. MĂ€rz 2018, abgerufen am 26. August 2023.
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